Depressionen und Demenzen sind die häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter und treten oft gemeinsam auf. Etwa jeder fünfte Mensch mit Demenz leidet auch an einer schweren Depression, was die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigt. Lesen Sie hier alles zu den Symptomen und dem Umgang mit den Erkrankungen.
Symptome: Depressionen und Demenz
Depressionen und Demenzen stehen in einer engen Wechselwirkung: Depressionen können das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, um das bis zu Sechsfache erhöhen, und umgekehrt sind Menschen mit Demenz deutlich anfälliger für depressive Störungen.
Dabei ist es nicht immer einfach, Depression und Demenz voneinander zu unterscheiden. Zwar assoziiert man die Depression im Allgemeinen mit Traurigkeit, die Demenz mit Vergesslichkeit, doch beide Erkrankungen zeigen ähnliche Symptome. Dazu gehören Störungen der Konzentrationsfähigkeit und der Erinnerung, Schlafstörungen oder Orientierungsprobleme.
Unterscheidung und Diagnostik
Angehörige von depressiven Betroffenen können den Beginn der Symptome zudem häufig relativ genau zeitlich eingrenzen, während sich die Symptome einer Demenz schleichend und über Jahre hinweg entwickeln – zudem verschlechtert sich der Zustand bei Demenzkranken häufig nur sehr langsam, während sich eine Depression innerhalb weniger Wochen verschlimmern kann. Zur depressiven Symptomatik gehört zudem ein Verblassen der gesamten Erinnerung, während Demente im frühen Stadium gute Erinnerungen an die fernere Vergangenheit zeigen. Doch all dies sind nur Zeichen, die sich bei atypischem Verlauf der Erkrankungen auch ganz anders darstellen können.
Psychiater und Psychologen setzen bei der Differentialdiagnostik von Demenz und Depression bei kognitiven Einschränkungen häufig den Uhren-Zeichnen-Test oder den Mini-Cog-Test ein. Bei ersterem werden die Patienten gebeten, das Ziffernblatt einer Uhr vollständig mit Zahlen zu zeichnen und mit Zeigern eine bestimmte Uhrzeit einzutragen. Depressive ohne Demenzerkrankungen meistern diesen Test ohne Probleme, während Demenzkranke nicht die volle Punktzahl erreichen. Der Mini-Cog-Test kombiniert die Aufgabe des Uhrenzeichnens mit einem Test zur Merkfähigkeit. Er liefert ebenfalls gute Ergebnisse, was die Abgrenzung von Demenz und Depression angeht.
Anzeichen ernst nehmen
Umso wichtiger ist es, Anzeichen für eine Depression zu erkennen und ernst zu nehmen. Pessimismus, Antriebslosigkeit und Missmut sind keine „natürlichen“ Alterserscheinungen, sondern können Hinweise auf eine depressive Störung sein. Außerdem erleben alte Menschen häufiger Situationen, die Trauer auslösen – etwa den Tod eines Lebenspartners oder Freundes. In vielen Fällen geht eine „normale“ Trauerreaktion schleichend in eine behandlungsbedürftige Depression über.
Behandlung Depressionen
Dennoch bestehen oft genug Zweifel, ob es sich bei bestimmten Symptomen um die einer Demenz oder die einer Depression handelt. In diesen Fällen sollte ein Behandlungsversuch in Richtung Depression unternommen werden. Denn anders als Demenzerkrankungen, die nur durch Trainingsmaßnahmen in ihrem Verlauf verlangsamt werden können, sind Depressionen in der Regel gut therapierbar. Dies kann mithilfe von Medikamenten und Psychotherapie geschehen. Nicht selten stellt sich bei erfolgreicher Therapie einer depressiven Störung bei einem älteren Patienten heraus, dass die kognitiven Einschränkungen, die der Patient zeigte, nur eine Art „Pseudodemenz“ darstellen. Erfolgt eine Behandlung der Depression, verschwinden auch die vermeintlichen Symptome einer Demenz.
Die Behandlung einer psychischen Erkrankung lohnt sich unabhängig vom Lebensalter des Patienten, denn sie kann nicht nur die Lebensqualität erhöhen, sondern auch die Sterblichkeitsrate senken. Hierzu gehört, dass psychische Erkrankungen gleichwertig als körperliche Krankheiten wahrgenommen werden müssen. Nur so können die Anzeichen einer depressiven Störung rechtzeitig erkannt und entsprechende Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden.